Bußgelder für überladene LKW – bald per Blitzer möglich?

Aufgrund des derzeitigen Verkehrsrückgangs sind sie besonders sichtbar: Spurrillen, Schlaglöcher und andere Straßenschäden. Sie kosten den Steuerzahler mehrere Milliarden jährlich und verursachen regelmäßig Ärgernisse im Straßenverkehr. Die Hauptverantwortlichen für den Zustand der Fahrbahnen sind überladene LKWs, die Straßen und anfällige Infrastrukturen wie Brücken beanspruchen. Um Abnutzungen langfristig zu reduzieren, müssen überladene Fahrzeuge erkannt und die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Das Konsumverhalten steigt weltweit weiterhin an, der Onlinehandel verzeichnet Rekordzahlen. Um diese Güter zu transportieren und Konsumenten täglich zu versorgen, sind allein in Deutschland drei Millionen registrierte Lastkraftwagen unterwegs. Hinzu kommen zahlreiche Gütertransporte aus dem Ausland. Jedes überladene Fahrzeug belastet mit seinem Gewicht Verkehrsinfrastrukturen: Das Fahrzeuggewicht wirkt nämlich sogar in der vierten Potenz auf die Lebensdauer der Straße. Übersetzt bedeutet das, dass ein LKW mit 30 Tonnen Gesamtgewicht die Straße im selben Maß abnutzt wie 7.500 PKWs. Das Resultat sind nachhaltige Schädigungen, Baustellen und steigende Unterhaltskosten. Vielerorts werden Lastkraftwagen stichprobenhaft aus dem Verkehr zu einer Wiegestation geleitet, um Verstöße gegen die zulässige Gesamtmasse einzeln festzustellen und zu ahnden. In manchen Fällen erfolgt bereits eine Vorselektion per Weigh In Motion (WIM). Dabei messen Weigh In Motion Systeme das Gewicht passierender Fahrzeuge über im Asphalt eingelassene Sensoren. Da die Genauigkeit dieser Systeme den gesetzlichen Bestimmungen noch nicht entspricht, müssen Polizisten Fahrzeuge, bei denen das System Alarm schlägt, einzeln überprüfen. Eine statische Waage bestätigt anschließend das Ergebnis der WIM-Sensoren. Der zeitliche Aufwand für die Polizeibeamten ist entsprechend hoch.

Automatischer Gebührenbescheid bei Überladung

Eine technologische Innovation der Kistler Gruppe verspricht hier Abhilfe: Ein neues WIM-System mit deutlich verbesserter Messgenauigkeit lässt nun zu, dass die Fahrzeuge wie bei Geschwindigkeitskontrollen automatisch per Kameratechnik erfasst werden. Der Gebührenbescheid kommt anschließend per Post – Voraussetzung hierfür ist ein entsprechender gesetzlicher Rahmen, der in einigen europäischen Ländern bereits eingeführt wurde. Grund für verbesserte Zuverlässigkeit, ist ein neuartiger Sensor. Unabhängig von der Straßenqualität, der Geschwindigkeit oder dem Winkel, in welchem das Fahrzeug die Sensoren passiert, ermitteln sie das exakte Gewicht. Die Datenübertragung erfolgt digital, was zusätzlich Signalstörungen verhindert. Den Verkehrsfluss behindert die WIM-Anlage auch weiterhin nicht. Dass sein LKW gerade gewogen wurde, bemerkt der Fahrer nur dank des Blitzlichts aus der Kamera. In Zukunft wird es außerdem möglich sein, mit WIM-Systemen auch mangelnden Reifendruck festzustellen. Zu geringer Druck verkürzt nicht nur die Lebensdauer der Reifen, sondern verlängert auch den Bremsweg. Dazu besteht die Gefahr des Überhitzens, was dazu führen kann, dass sich Reifenteile ablösen.

Das bereits auf Schweizer Straßen und dem Versuchsgelände in Kefikon getestete System wird in Kürze auch auf der Schweizer Autobahn getestet. Auf zentralen Verkehrsadern eingesetzt, könnte die Technologie schon bald die Verkehrssicherheit erhöhen und eine abschreckende Wirkung auf Speditionen ausüben, die versuchen, mit Überbeladung ihrer Fahrzeuge Geld auf Kosten des Steuerzahlers zu sparen.

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